Taxing Times

Taxing Times

Mit unserer neuen Blogreihe  stellen wir die Kunstwerke vor, die die Wände bei uns im Langerfeldt-Haus schmücken.

Den Anfang macht dieses Book based Art-Gemälde aus der „Bookclub“-Reihe von Paul „Franko“ Franklin.

Der Künstler

Paul Franklin – bekannt unter seinem Künstlernamen Franko – ist ein australischer Künstler aus der Nähe von Brisbane. In seinen 10 Jahren als Vollzeitkünstler hat er bereits mehr als 5.000 Bilder in über 30 Staaten verkauft. Sein Atelier befindet sich auf seinem rund 65 Hektar großen Grundstück, welches er nicht nur mit seiner Familie, sondern auch mit Hühnern, Kühen, Pferden, Hunden und Katzen teilt. In dem eigens für seine Zwecke errichteten Atelier fertigt und lagert Franko seine Kunstwerke auf mehreren Stockwerken. Inspiriert unter anderem durch Andy Warhol, Banksy und Leroy Neiman schafft er eine eigene Mischung aus Pop Art, Street Art, abstrakter und realistischer Kunst.

Das Kunstwerk

Für seine buchbasierte Reihe von Kunstwerken, die er selbst „Bookclubs“ getauft hat, wurde er inspiriert von Raine Bedsole, dessen Werk mit unbekanntem Titel er in dem letzten Twilight Film im Jahr 2012 entdeckt hat. Bedsole war allerdings nicht der erste, der Buchseiten in seine Kunstwerke eingearbeitet hat – diese Technik wurde von einigen Künstlern bereits vor 50 – 60 Jahren eingesetzt.

Für das Werk „Taxing Times“ hat Franko Seiten aus dem Buch „When the going was good“ von Evelyn Waugh – eine Reisebiografie über seine Erlebnisse zwischen 1929 und 1935 – verwendet.

Das Design des Bildes ist dem Buchumschlag des damals bei dem Verlag Penguin Books erschienenen Buches nachempfunden. Penguin Books – gegründet im Jahr 1935 – hatte einen genrebasierten Farbcode für seine Bücher: orange für Fiktion, grün für Kriminales und blau für Biografien. Dieser Farbcode findet sich in den Bookclubs-Werken wieder.

Darüber, was der Künstler sich bei dem offensichtlich fiktiven „Buchtitel“ gedacht hat, und ob Karl Marx damit wohl glücklich gewesen wäre, kann nur spekuliert werden.

Der Doktortitel – Zwischen Praxis und Prestige

Der Doktortitel – Zwischen Praxis und Prestige

Der Doktor ist der höchste akademische Grad in Deutschland. Während der erste Doktortitel einer deutschen Universität bereits im Jahr 1359 verliehen wurde, entstand die bis heute praktizierte Form der Promotion erst Ende des 18. Jahrhunderts.

Geschichte der Dissertation

Die Grundlage hierfür boten die seit dem 16. Jahrhundert durchgeführten Disputationen. Anders als heute stellten diese bis zu ihrer Ablösung durch die Dissertation die Kernleistung des Promovierenden dar. Im Rahmen der Disputation führten die Disputanten ein mündliches Streitgespräch, in welchem sie bestimmte Thesen zu verteidigen hatten. Diese Thesen wurden doch nicht durch den Disputanten selbst, sondern durch den die Disputation führenden Professor aufgestellt. Die Disputation wurde im Vorfeld in gedruckter Form öffentlich angekündigt. Diese Ankündigung enthielt die zu verteidigenden Thesen mit entsprechender Erläuterung und hatte in der Regel einen Umfang von etwa 30 Seiten. Verfasst wurde sie ebenfalls nicht durch den Promovierenden, sondern durch den Professor. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Promovierenden, ihre Dissertationen selbst zu verfassen.

Bedeutung des Doktortitels in Deutschland

Für unsere Liebe zum Doktortitel werden wir Deutschen gerne international belächelt. Mit etwa 25.000 Promotionen pro Jahr liegen wir im internationalen Vergleich weit über dem Durchschnitt. Eine mögliche Erklärung hierfür bietet die unterschiedliche Systematik im Vergleich zu anderen Ländern: So reicht beispielsweise in Großbritannien oder Frankreich der Besuch einer stattlichen Eliteschule meist aus, um der Karriere den nötigen „Boost“ zu verpassen. Dort erfolgt die Promotion folglich eher zu Forschungszwecken.

In Deutschland hingegen geht nur jeder fünfte Promovierte in die Forschung. Dies ergab die Studie „Hochqualifizierte in Deutschland“ des statistischen Bundesamts. Als Grund hierfür gaben 47% der Befragten bessere Alternativen außerhalb der Forschung an. Rund 1/3 der Befragten gab an, an einer Forschertätigkeit kein Interesse zu haben.

Hierzulande wird also eher promoviert mit dem Ziel, sich wirtschaftlich und sozial eine bessere Position zu verschaffen. Nicht nur lässt der Dr. vor dem Namen die Herzen aller Schwiegermütter höher schlagen, auch wirtschaftlich hat die Promotion meist beachtliche Auswirkungen: Ca. die Hälfte der erwerbstätigen Promovierten bekleiden nach Abschluss der Promotion eine Führungsposition.

Der Doktortitel als Name

Seit 1988 ist der Hinweis auf den akademischen Grad Bestandteil des Passgesetzes und der Doktortitel im Personalausweis somit eintragungsfähig. Ein Anspruch auf die Dr.-Anrede ergibt sich hieraus jedoch nicht, denn: Der Doktortitel ist nicht Bestandteil des Namens.

Während man bei bei Loriot sogar in der Badewanne auf die korrekte Anrede mit „Sie“ und „Herr Doktor“ besteht, ist die Handhabung in der Realität heutzutage etwas lockerer. In der Geschäftswelt ist die „korrekte“ Anrede ein Zeichen von Respekt und Wertschätzung und hat sich daher weitgehend etabliert. Im Privaten wird hingegen oft auf die Dr.-Anrede verzichtet, zumal es auch nicht üblich ist, sich mit „Herr Doktor“ oder „Frau Doktor“ vorzustellen.

Im Endeffekt bleibt es wohl den Promovierten selbst überlassen, welchen Wert sie der Doktorenanrede beimessen möchten.

Fest steht, dass der Erwerb eines Doktortitels nicht nur hochspezifisches Fachwissen und Durchhaltevermögen erfordert. Interesse an dem gewählten Thema und der Wille, die Wissenschaft auf diesem Gebiet ein Stück weiter zu bringen sind der Grundstein, den alle Doktoren – ob forschend oder nicht – sicher gemeinsam haben.

Wie (ver-)kauft man eigentlich ein Haus?

Für die meisten ist der Kauf oder Verkauf eines Grundstücks ein einmaliges Erlebnis. Daher ist es nicht verwunderlich, dass bei den Beteiligten oftmals eine große Unsicherheit bezüglich der Abläufe herrscht. Mit diesem Video vermitteln wir einen Überblick über den klassischen Prozess eines Haus- und Grundstückskaufs. Selbstverständlich gibt es bei jedem Haus- und Grundstückskaufvertrag Besonderheiten. Um die kümmern sich dann die Spezialisten 😉

 

Kontrollgremien in der GmbH

Kontrollgremien in der GmbH

Wirft man einen Blick in das GmbH-Gesetz findet man dort als Organe der GmbH die Geschäftsführung und die Gesellschafterversammlung. Anders als bei der Aktiengesellschaft ist ein Aufsichtsrat, also ein Gremium, dass die Geschäftsführung überwacht, bei der GmbH nicht gesetzlich vorgesehen. Dennoch können bei der GmbH weitere (Kontroll-)Gremien installiert werden.

Errichtung von Gremien

Ob für die Errichtung eines Kontrollgremiums wie beispielsweise eines Aufsichtsrats eine Satzungsänderung durch notarielle Beurkundung vonnöten ist, war lange Zeit unklar. Im letzten Jahr hat der Bundesgerichtshof hierzu nun eine Entscheidung getroffen, welche Klarheit über das zu verfolgende Vorgehen schafft:

Hiernach ist ein einfacher Gesellschafterbeschluss zur Errichtung eines solchen Gremiums dann ausreichend, wenn die Einführung durch eine Öffnungsklausel im Gesellschaftsvertrag bereits hinreichend bestimmt ist.

Hintergrund

Im vorliegenden Fall hatte ein durch den neu installierten Aufsichtsrat abberufener Geschäftsführer einer GmbH gegen seine Abberufung geklagt und unter anderem vorgetragen, dass die Errichtung des Aufsichtsrats und damit seine Abberufung als Geschäftsführer unwirksam wären.

Errichtet wurde der Aufsichtsrat durch einfachen Beschluss der Gesellschafterversammlung unter Anwendung der gesellschaftsvertraglich getroffenen Regelungen.

Erstinstanzlich gab das Kammergericht Berlin dem Kläger Recht und entschied die Unwirksamkeit der Errichtung des Aufsichtsrats mit der Begründung, dass es sich bei der Errichtung des Aufsichtsrats um eine Satzungsänderung handelt, welche der notariellen Beurkundung und Eintragung in das Handelsregister bedarf.

Diese Entscheidung hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 02.07.2019 – Az.: II ZR 406/17 aufgehoben. Begründet wurde dies damit, dass die Errichtung eines Aufsichtsrats durch einfachen Gesellschafterbeschluss dann zulässig ist, wenn die Satzung der GmbH eine „hinreichend bestimmte“ Öffnungsklausel enthält.

Die Öffnungsklausel muss demnach neben der Möglichkeit der Errichtung eines Aufsichtsrates an sich auch die wesentlichen Aufgaben, den Umfang und etwaige weitere auf den Aufsichtsrat zu übertragende Kompetenzen umfassen.

In dem obigen Urteil zitiert der Bundesgerichtshof folgendermaßen aus dem Gesellschaftsvertrag:

„(1)  Die Gesellschafter können beschließen, dass die Gesellschaft einen aus drei oder sechs Mitgliedern bestehenden Aufsichtsrat erhält.

(2)   Auf den Aufsichtsrat finden § 52 Abs. 1 GmbHG und die dort genannten aktienrechtlichen Bestimmungen nur Anwendung, falls und soweit die Gesellschafter dies mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen beschließen.

(3)   Der Aufsichtsrat überwacht die Geschäftsführung. Die Gesellschafter können dem Aufsichtsrat durch Beschluss weitere Aufgaben und Befugnisse zuweisen, insbesondere das Recht gewähren, Geschäftsführer zu bestellen und abzuberufen, Anstellungsverträge mit diesen abzuschließen, zu ändern und zu beendigen, Geschäftsführer zu ermächtigen, die Gesellschaft allein zu vertreten, eine Geschäftsordnung für die Geschäftsführer festzulegen und diesen Weisungen zu erteilen.

(4)   Die Gesellschafter können jederzeit beschließen, dass durch Gesellschafterbeschluss gemäß Absatz 2 für anwendbar erklärte aktienrechtliche Bestimmungen keine Anwendung mehr finden oder dass dem Aufsichtsrat Aufgaben und Befugnisse, die ihm gemäß Absatz 3 durch Gesellschafterbeschluss zugewiesen wurden, nicht weiter zustehen.“

Die wesentliche Aufgabe des Aufsichtsrats (=Überwachung der Geschäftsführung) ist bezeichnet. Etwaige weitere durch die Gesellschafter an den Aufsichtsrat zu übertragene Kompetenzen sind in ihren Grundzügen aufgeführt. Die durch den Bundesgerichtshof manifestierten Anforderungen an eine „hinreichend bestimmte“ Öffnungsklausel sind damit gegeben.

Durch die Formulierung der Öffnungsklausel ist die mit der Installation eines Aufsichtsrats einhergehende strukturelle Änderung bereits im Vorhinein gesellschaftsvertraglich geregelt, sodass es bei Bildung des Aufsichtsrats nicht zur Begründung eines von der Satzung abweichenden, rechtlichen Zustands kommt. Eine erneute gesellschaftsvertragliche Regelung erübrigt sich.

Konsequenzen

Die Gründung eines Aufsichtsrats oder vergleichbaren Organs per einfachem Gesellschafterbeschluss ist dann möglich, wenn die Satzung dies zulässt.

Möglich ist dies mithilfe einer Öffnungsklausel im Gesellschaftsvertrag. Um diese später wirksam umsetzen zu können, muss die Öffnungsklausel nicht nur die generelle Möglichkeit zur Installation des entsprechenden Organs, sondern auch den Umfang und die Befugnisse und Kompetenzen regeln, ggf. nebst der Ermächtigung an die Gesellschafter, diese Befugnisse später im Detail festzulegen (= doppelte Öffnungsklausel).

Fazit

Um den Weg für die spätere Gründung eines Aufsichtsrats oder eines vergleichbaren Organs zu ebnen, ist es sinnvoll, sich bereits bei Fassung des Gesellschaftsvertrags mit den Modalitäten zu befassen. Sollte die Installation eines weiteren Gremiums zu einem späteren Zeitpunkt in Betracht kommen, kann eine entsprechend ausformulierte Öffnungsklausel im Gesellschaftsvertrag im Nachhinein unnötigen Verwaltungs-, Zeit- und auch Kostenaufwand vermeiden.

Kanban Board: Projektmanagement in der Rechtsanwaltsgesellschaft

Kanban Board: Projektmanagement in der Rechtsanwaltsgesellschaft

Vom Einzelgänger zum Teamplayer: Die Veränderung der juristischen Arbeit führt dazu, dass Projektmanagement und die Koordination der gemeinsamen Tätigkeit immer wichtiger werden. Unser Team bei compleneo benutzt sowohl für Kundenprojekte als auch interne Aufgaben intensiv ein Kanban-Board.

Die Kanban-Methode erfreut sich seit ihrer Entwicklung steigender Beliebtheit. Sie wurde seinerzeit zur Optimierung der industriellen Fertigung erfunden und anschließend von Software-Entwicklern übernommen. Heute wendet man das Kanban in Unternehmen unterschiedlichster Branchen und oft in mehreren Abteilungen parallel an. Rechtsanwaltsgesellschaften, die ihre Aufgaben in Teamarbeit erledigen, profitieren ebenfalls von der bewährten Organisationsmethode.

Was ist ein Kanban Board?

Der Begriff Kanban stammt aus der japanischen Sprache und bedeutet Signalkarte. Als Kanban-Board bezeichnet man ein Whiteboard, das im Projektmanagement zur Anwendung der Kanban-Methode genutzt wird.

Die in den 1950er-Jahren beim japanischen Autohersteller Toyota für die Fertigungssteuerung entwickelte Arbeitsmethode, wird heute erfolgreich in vielen Projekten mit unterschiedlichem Fokus eingesetzt. Als Toyota seinerzeit die Just-in-time-Produktion einführte, war der Autobauer gezwungen, seine Arbeitsorganisation komplett umzustellen. Der Output musste der Kundennachfrage angepasst werden. Außerdem war eine Verschlankung der Arbeitsprozesse erforderlich (Lean Management). David Anderson übertrug das auf dem Hol-Prinzip (Pull-System) basierende Kanban 2007 auf IT-Projektteams.

Alle Teammitglieder bedienen sich aus einem Aufgaben-Pool, den man Backlog nennt. Vor Beginn der Projektarbeit definiert man sämtliche zum Projekt gehörende Aufgaben und notiert sie auf farbigen Karteikarten oder Haftnotizen, den sogenannten Tickets. Anschließend bringt man die Tickets in der ihrem jeweiligen Bearbeitungsstatus entsprechenden Spalte der Kanban-Tafel an. Kanban eignet sich insbesondere für Projekte, die keine Deadline haben und deren Aufgaben sich klar definieren und leicht voneinander abgrenzen lassen. Eine weitere Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung der Arbeitstechnik ist die
gleichartige Qualifikation aller Teammitglieder: Sie müssen im Bedarfsfall in der Lage sein, die Aufgabe eines beispielsweise durch Krankheit ausgefallenen Kollegen zu erledigen. Außerdem lassen sich mit wenig Arbeitsaufwand verbundene Aufgaben und Routinetätigkeiten gut auf den einzelnen Tickets darstellen.

Die später in andere Bereiche wie Personalwesen, Vertrieb, Marketing und Kundensupport übernommene Organisationsmethode erwies sich als effektives Mittel zur Steigerung der Bearbeitungsgeschwindigkeit und Arbeitsproduktivität. Fehlentwicklungen wurden schneller erkannt und konnten mit den entsprechenden Gegenmaßnahmen gemeinsam behoben werden.
Managementaufwand und Arbeitskosten ließen sich langfristig verringern. Kanban verbessert den Workflow und die Auslastung der Teammitglieder und bietet hohe Transparenz. Es optimiert die Kommunikation innerhalb des Teams und steigert die Motivation der einzelnen Teammitglieder, weil sie sich besser in den Prozess einbringen können.

Die Methode ist deshalb so wirksam, weil man mit ihr den Arbeitsablauf übersichtlich darstellen und nachvollziehen kann. Das liegt daran, dass das menschliche Gehirn visuelle Signale sehr viel schneller verarbeitet als Textbotschaften. Sind alle Teammitglieder mit der Methode vertraut, ist es nach einigen Wochen möglich, die durchschnittliche Bearbeitungszeit der einzelnen Aufgaben zu ermitteln. Dies erhöht die Planungssicherheit und ermöglicht eine genauere Angabe des voraussichtlichen Fertigstellungstermins.

Aufbau von Kanban Boards

Inhalt und Aufbau der Kanban-Tafel unterscheiden sich darin, was in dem jeweiligen Projekt visualisiert werden soll. Allen Boards gemeinsam ist, dass die zu erledigenden Aufgaben mit wenigen Worten auf farbigen Tickets beschrieben werden. Diese enthalten zusätzlich den Namen des dafür vorgesehenen Mitarbeiters. Beim klassischen Kanban besteht das Whiteboard von links nach rechts aus den Spalten Backlog (alle zu erledigenden Aufgaben des Projekts), Waiting (im Wartezustand befindliche Aufgaben), Doing (in Arbeit befindliche Aufgaben) und Done (erledigte Aufgaben).

Der zuständige Mitarbeiter nimmt sich das zuerst zu erledigende Ticket aus der Backlog-Rubrik und bringt es in der Spalte
Waiting an, wenn er eine in Arbeit befindliche Aufgabe noch nicht ganz beendet hat. Klebt er diese unter Done auf das Board, nimmt er das im Wartezustand befindliche Ticket und befestigt es in der Doing-Spalte. Hat er die Aufgabe beendet, landet das Ticket in der Done-Rubrik. Kommt es in einer Spalte zu einer Blockade (Bottleneck), häufen sich dort die Tickets. Sie können nach dem Finden der Ursache und der Problembeseitigung weiterbearbeitet werden.

Wendet das Team die Kanban-Methode korrekt an, kann jeder Mitarbeiter den Arbeitsfortschritt genau verfolgen und erkennen, wo es Bearbeitungsstaus gibt. Probleme werden durch gemeinsam beschlossene Verbesserungsmaßnahmen beseitigt. Das Team

  • ändert die Anzahl der Tickets in der betroffenen Spalte
  • beseitigt ein technisches Problem
  • führt eine Pufferzone vor dem Bottleneck ein
  • verändert die Anzahl der Mitarbeiter, die die betroffene Rubrik zukünftig bearbeiten

Die mittlere Spalte des Kanban-Boards kann bei Bedarf um verschiedene Zwischenschritte erweitert werden. Für noch mehr Transparenz im Arbeitsablauf sorgen falls erforderlich zusätzliche Anmerkungen auf den Tickets. Manche Boards (IT-Bereich!) sind komplexer aufgebaut, weil sie nicht nur das Erstellen neuer Funktionen, sondern auch die Fehlerbehebung umfassen. In diesem Fall bedient man sich der sogenannten Swimlanes: Die Aufgaben mit anderem Schwerpunkt werden unterhalb einer waagerechten Linie dargestellt. Auch Aufgaben verschiedener Prioritäten lassen sich mit mehreren Swimlanes gut abbilden.

Was man beim Kanban unbedingt beachten sollte

Die Kanban-Methode hat nur wenige Regeln, die man allerdings unbedingt einhalten sollte, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. David Anderson formulierte seinerzeit folgende sechs Kanban-Prinzipien:

  • Eindeutige und für alle Teammitglieder verständliche Definition der Aufgaben und Festlegung, wer wann welches Ticket ziehen darf: Jeder Mitarbeiter muss wissen, was die einzelnen Bearbeitungsstatus bedeuten.
  • Begrenzung des Work-in-Progress (WIP): Nur wenige Aufgaben dürfen gleichzeitig bearbeitet werden. Daher begrenzt man die Anzahl der Tickets pro Bearbeitungsstatus.
  • Kontinuierlicher Workflow: Projektleiter kontrollieren die in der Backlog-Rubrik gelisteten Tickets und stellen so sicher, dass sich immer einige Aufgaben im Doing-Status befinden. Weil jedes Ticket erst nach Beenden der Aufgabe in die Done-Spalte wandert, wird ein gleichmäßiger Workflow gewährleistet.
  • Ständige Optimierung (Kaizen): Die Mitarbeiter informieren ihre Teamkollegen in kurzen täglichen Meetings, was sie am vergangenen Tag geschafft haben und ob es dabei Probleme gab. Und darüber, woran sie aktuell arbeiten. In regelmäßig durchgeführten kurzen Review-Meetings werden besondere Themen wie beispielsweise spezielle Arbeitsabläufe und mögliche Risiken diskutiert. Die Feedbackschleifen verbessern die Arbeitstechnik und steigern den Output.
  • Verantwortung übernehmen: Kanban bringt die besten Ergebnisse, wenn sich die Teammitglieder in sämtlichen Bearbeitungsstadien verantwortlich fühlen und sich für eine Optimierung der Prozesse einsetzen.
  • Nutzung definierter Modelle: Um das Verständnis der Kanban-Methode zu verbessern, empfiehlt etwa David Anderson
    Modelle wie beispielsweise die Lean IT.

Vorteile der Kanban-Methode

Die Anwendung des Kanban bringt viele Vorteile:

  • Die Einführung ist ohne großen Aufwand möglich und kann für den bereits bestehenden Workflow genutzt werden.
  • wird von den Teammitgliedern vorbehaltlos akzeptiert, weil sie sich nicht mit verunsichernden gravierenden Veränderungen auseinandersetzen müssen
  • erfordert keine Veränderung der Zuständigkeiten innerhalb des Teams
  • motiviert die Teammitglieder, mehr Verantwortung bei der Ausführung der Aufgaben zu übernehmen und die erzielten Verbesserungen umzusetzen
  • kann die Organisation im Unternehmen verbessern, wenn es auf die gesamte Wertschöpfungskette angewendet wird.

Analoges oder digitales Kanban Board?

Neben der Option, Kanban mithilfe von physischen Tickets und einem Whiteboard zu praktizieren, kann man eine spezielle Kanban-Software verwenden. Mit deren Hilfe passen sich die Teammitglieder ihr Board entsprechend den Projektanforderungen an und bearbeiten ihre Tickets digital.

Kanban-Software lässt sich gut in firmeneigene Softwarelösungen integrieren und wird als Download oder in der Cloud genutzt. Kanban in der Cloud empfiehlt sich, wenn Projektteams standortübergreifend arbeiten und die Ergebnisse nahtlos in den allgemeinen Workflow integriert werden sollen: Alle Projektmitglieder haben von allen Standorten weltweit Zugriff auf dasselbe Board und erhalten ihre Informationen stets in Echtzeit.

Das integrierte Analysemodul hilft ihnen dabei, ihre Arbeitsschritte genau zu verfolgen und notwendige Änderungen sofort durchzuführen. Arbeitet das Team jedoch an demselben Standort, sollte man unbedingt ein analoges Kanban-Board verwenden. Es steigert die Sichtbarkeit der Arbeitsschritte für alle Beteiligten. Durch das eigenständige Verschieben der Tickets fühlt sich jeder Mitarbeiter persönlich stärker in das Projekt eingebunden. Wir haben uns für eine physische Magnettafel entschieden.

Kanban-Boards in Rechtsanwaltsgesellschaften

Viele Rechtsabteilungen und Kanzleien arbeiten wenig effizient. Die Mitarbeiter kommunizieren nur dann miteinander und mit den Auftraggebern, wenn es unbedingt notwendig ist. Dadurch gerät der Informationsfluss oft ins Stocken, was eine effiziente Zusammenarbeit und schnellere Bearbeitung von Aufträgen verhindert.

Kanban lässt sich natürlich auch in Rechtsanwaltsgesellschaften erfolgreich praktizieren, vorausgesetzt, man passt die Methode den jeweiligen Anforderungen an. Das dort verwendete Kanban-Board hat oft mehr Spalten als das klassische Kanban-Board. Außerdem sind die Spalten den Anforderungen entsprechend benannt.

Die Tafel umfasst die Backlog-Rubrik, in der sich bis zu sechs mit farbigen Tickets gekennzeichnete Mandate befinden, Spalten für laufende Aufgaben, die aber noch nicht bearbeitet werden (Waiting-Status), in Arbeit befindliche Aufgaben (Doing) und erledigte Aufgaben (Done-Status). Hinzu kommen Spalten, die sich nicht auf Mandate, sondern auf andere Aufgaben wie Büroorganisation und Abrechnungen beziehen.

Die Einteilung der Mandate in Zeitpläne und Projektabschnitte lässt eine erste Einschätzung der voraussichtlich anfallenden Kosten zu. Die Gestaltung des Boards mit Swimlanes gewährleistet die Berücksichtigung verschiedener Prioritäten und die rechtzeitige Beschaffung der für die Arbeit benötigten Ressourcen (fehlende Dokumente, befristet eingestellte zusätzliche Mitarbeiter). Die kurzen täglichen Meetings dienen dazu

  • die wichtigsten Aufgaben des jeweiligen Auftrags zu bestimmen
  • festzulegen, welcher Mitarbeiter welche Aufgabe übernimmt
  • Prioritäten bei der Aufgabenbearbeitung festzulegen

Mögliche Bottlenecks sind beispielsweise fehlende Informationen von Auftraggebern und Feedbacks von Kollegen. Obwohl sich Kanban auch in Rechtsanwaltsgesellschaften erfolgreich anwenden lässt, gibt es bisher nur wenige Kanzleien, die es nutzen.

Manche Rechtsanwälte arbeiten allerdings ohne ihre Kollegen mit der Methode. Mit Kanban lassen sich Fristen besser einhalten. Außerdem können Kanzleien damit einem neuen Trend folgen: Immer mehr Unternehmenskunden bevorzugen statt der traditionellen Honorarabrechnung nach Stunden einen Festpreis für das Mandat. In diesem Fall ist der Einsatz des
effizienzsteigernden Kanban für den wirtschaftlichen Erfolg unverzichtbar.